clown mit rotem Luftbalon
Bild: Nong Vang - unsplash

Innovationen verschönern den Alltag – sagt man

Innovationen sind ein Bündnis mit der Zukunft, kein Naturereignis – wir müssen sie wollen und durchsetzen, sie sind wichtig für die Wirtschaftsentwicklung. Und zu guter Letzt – Innovationsmanagement ist ein entscheidender Erfolgsfaktor!

Eine Glosse von Marion Koffend

12.1.2021

Alles gut!

Mit der Coronakrise wurde, zumindest aus Sicht des Weltwirtschaftsforums (WEF), ein völlig neuer Blick auf die Welt möglich. Über den wir uns alle fürchterlich freuen dürfen. Der an unser aller Wohl interessierte Klaus Schwab, CEO des WEFs, referiert schon seit mehreren Jahren zu einer neuen Ordnung der Welt, und wie Innovationen unser Leben grundlegend und nachhaltig zum Positiven verändern werden. Schon in naher Zukunft, ginge es nach Schwab und seinen Mitstreitern, werden wir dauerhaft viel weniger soziale Kontakte pflegen müssen, als noch vor der Pandemie. Und wir alle werden natürlich viele Vorteile daraus ziehen. Selbstredend!

Muss ich mich dann doch nicht mehr mit einer lästigen Verkäuferin abgeben, deren Deodorant meine Nase beleidigt und deren Verkaufsstatistik mich zum potentiellen Käufer für alles Mögliche degradiert. „Der Kunde ist König“ ist ja schon lange nur noch eine hohle Phrase. Endlich kann ich ohne lästige Mitmenschen einkaufen – am Computer, von zuhause aus, alles aus einer Hand und in aller Gemütlichkeit. Einkaufen im Lebensmittelladen wird aus seuchentechnischen Gründen logischerweise auch bald der Vergangenheit angehören. Und damit keinem ein Nachteil erwächst, wird es einheitliche Produkte geben – natürlich auch alles aus einer Hand. Somit wird die lästige Werbung, die das Bewusstsein ja aufs übelste manipuliert, ebenfalls bald der Vergangenheit angehören, da obsolet. Wie angenehm!

Die Zukunft bringt mir eine sorglose Welt, in der ich alles haben kann, selbst aber nichts besitzen muss. Auch das ganze tägliche Einerlei wie kochen, putzen, aufräumen fällt weg, da diese Arbeitsschritte von Roboter-Profis übernommen werden. Keine Putzfrau wird mir je wieder mit ihrer Krankheitsgeschichte oder sonstigem Geplauder die Zeit stehlen – Roboter haben keine Probleme. Niemand wird sich, in meinem Büro der Zukunft, meine Stifte, Hefter oder sonstiges „ausleihen“ um sie dann einfach zu behalten. Denn mein Arbeitsplatz der Zukunft ist das Homeoffice! Ich bestimme selbst über mein Leben – endlich!

Reisen unternehme ich bequem von Zuhause aus, das Internet bietet viele Möglichkeiten fremde Länder virtuell zu besuchen. Und in Zukunft werden mir weitere Innovationen, wie Cyberbrillen und Cyberanzüge, auch ein echtes Körpergefühl von meinen Reisen vermitteln.

Mein Leben in Zukunft wird von Sicherheit und Zufriedenheit geprägt sein. Die technischen Innovationen werden dies sicherstellen. Potentiell kriminelle Handlungen von selbstherrlichen Mitmenschen werden von der Künstlichen Intelligenz (KI/AI) frühzeitig erkannt und verhindert. Alle Menschen sind dann anständige Menschen. Niemand kann sich irgendwelche Taten erlauben - nur weil er sich auf „seine“, mittlerweile als Verantwortungslosigkeit erkannte, persönliche Freiheit beruft.

«Wir alle können aktiv zu einer sicheren Welt beitragen, indem wir uns alle, als brave Erdenbürger dafür einsetzen. App-Technologie macht es möglich, denn in Zukunft gilt man als nützliches Mitglied der Gesellschaft, wenn man, im Sinne der Öffentlichkeit, selbstständig für Recht und Ordnung sorgt, und Regelbrecher, den zuständigen Ministerien meldet – anonym versteht sich. Mitmenschen sind ja sowieso das Gefährlichste, das sich die Schöpfung ausgedacht hat. Egal wo man hingeht, begegnet man ihnen und ihren infektiösen Ausdünstungen. Zum Glück ist es heute schon so, dass sie einem nicht mehr näher als 1,5 Meter kommen dürfen . Ein Anfang ist gemacht – Gut so!

Ein weiterer riesiger Vorteil der App-Technologie ist, dass es mir immer möglich sein wird, alles was ich brauche, ständig bei mir zu tragen. Sei es meine Gesundheitsdaten, meine Kontodaten, meine Ausweisdaten, meinen Haustürschlüssel, meine Kontakte u.v.m.

Kinder muss ich auch keine mehr bekommen, da sich Kinder, ganz klar, als lebensfeindliche Gattung herausgestellt haben. Sie sind laut, frech, verschmutzen die Umwelt mit schlimmen hochinfektiösen Aerosolen, kosten Unmengen an Geld und produzieren Unmengen an CO2. Wer in Zukunft noch Kinder bekommt, ist bewiesenermaßen ein Umweltsünder. Sowieso!

Die Menschheit reduziert sich ganz natürlich

Die Welt der Zukunft wird ein Paradies sein. Aus tiefem Mitleid mit der geschundenen Natur wird die menschliche Geburtenrate auf null gesetzt. Und dadurch, dass es so immer weniger Nachwuchs geben wird, kann die Welt endlich gesunden. In 100 Jahren werden maximal noch 500.000.000 Menschen den Planeten bevölkern. Erst wenn diese Marke erreicht ist, wird man als verantwortungsvoller Mensch wieder über Nachwuchs nachdenken wollen. Dann aber über einen Maßgeschneiderten! Nicht irgend ein Zufallstreffer wird darüber entscheiden ob das Kind dann Intelligenz, eine gute Gesundheit oder sonstige Eigenschaften besitzt, sondern die bis dahin innovativ weiter entwickelte Gentechnik. Dank einer vom weiblichen Körper entkoppelten Gebärmutter-Innovation, wird den Frauen eine beschwerliche Schwangerschaft und der schreckliche Geburtsvorgang erspart bleiben. Entscheidet man sich für ein Kind, kann man es bis zum Alter von 18 Jahren virtuell begleiten – wenn man will! Nach 18 wird es dann aus dem „Intern-nat“ entlassen und darf aktiv an der Gesellschaft teilnehmen. Somit gehört auch die ach so nervenaufreibende Erziehung der Vergangenheit an.

Leben statt Sterben

Krankheit, die das Leben nur negativ beeinflusst, wird es nicht mehr geben – ebenfalls dank Gentechnik. Im Übergang zu dieser Zukunft wird jeder Kranke unter Quarantäne gestellt. So muss man ihm nicht mehr begegnen und sich wohlmöglich noch anstecken. Das hat endlich ein Ende. Der Tod, der seit Anbeginn des Lebens ein Faktor war, wird besiegt sein. Wer nicht sterben will überträgt sein Bewusstsein einfach in einen für ihn hergestellten Maschinenkörper, selbstverständlich mit reizvollen Innovationen ausgestattet. Sterben wird zwar nicht verboten sein, aber wer will schon sterben?

Diese Zukunft wird den Meisten gefallen. Menschen waren doch schon immer davon angetan, wenn andere die Verantwortung für sie übernahmen. Eine diffuse Freiheit wird sie nicht dazu verleiten, sich für ein selbstbestimmtes Leben, mit Arbeit, Lebensmittelbeschaffung, Krankheit und Tod zu entscheiden. Das wäre ja Dummheit in ihrer reinsten Form.

Ironie ist das Körnchen Salz, das das Aufgetischte erst genießbar macht. (Goethe)


Zum Autor:

Marion Koffend

Marion Koffend Jahrgang 63, ist Chefredakteur der 2017 gegründeten Zeitung Zivilimpuls. Sie ist weder Journalistin noch ist sie Medienschaffende gewesen. Die Not der Informationslücken nötigte sie zu dem Schritt eine eigene Zeitung zu gründen, um der Gegenseite eine Stimme zu verleihen.