Neuste Entwicklungen in Gentechnik, Neurobiologie und Computertechnik - Teil 1

Vernetzung von Gehirn zu Maschine und von Gehirn zu Gehirn

Marion Koffend, 28.05.2021

Am 17. April 2018 hielt Dr. Charles Morgan (1) vor Kadetten der United States Militär Akademie „West-Point“ einen Vortrag über eine Reihe von Themen, darunter Psychologie, Neurobiologie, Gentechnik und deren Anwendung im Krieg. Die Veranstaltung wurde vom „Modern War Institute“ in West Point organisiert und veranstaltet. Dr. Morgans neurobiologische und forensische Forschung hat ihn als internationalen Experten für posttraumatische Belastungsstörungen, Gedächtnis und menschliche Leistung unter Bedingungen mit hohem Stress ausgezeichnet.

Er sprach über Mind-Body-Therapie, unter anderem über Erinnerung und wie man sie löschen bzw. austauschen könne. Des weiteren über Gen Splicing, eine Methode die Anzahl der Gene in der DNA auf das Mindestmaß zu verringern, um Effekte zu erzielen, die bisher nicht möglich waren. Dann stellt er die Arbeit des Gentechnik-Pioniers Craig Venter vor, der 2010 zum ersten Mal bewies, dass ein „synthetisch“ hergestelltes Erbgut (2) in eine Mycoplasma-Zelle injiziert tatsächlich ein natürliches Genom vollständig ersetzen kann.

Der Anfang des knapp einstündigen Vortrags kommt recht harmlos daher. Zunächst bekommen die Kadetten eine Einführung in wieweit die Forschung in puncto Vernetzung Lebewesen-Maschine bisher gediehen ist. Im Weiteren erörtert er aber auch relativ bedenkliche Forschungsergebnisse.

Schon 2008 gelang es der Wissenschaft bei einem Affen eine Gehirn-Roboter Verbindung hinbekommt. Dazu wurden Signale der motorischen Hirnrinde mit Hilfe eines implantierten elektronischen Sensors ausgelesen, von Computern dekodiert und zu einem Roboterarm übertragen. Der Affe lernte durch wiederholendes Üben den Roboterarm ausschließlich mit seiner Intension im Raum zu bewegen und sich so selbst zu füttern. Nicht sehr spektakulär, aber das war nur der Anfang dieser Forschung und immerhin liegen 10 Jahre zwischen dieser Erkenntnis und dem des Vortrags von Dr. Morgan.

Bild: Screenshot Video

2012 wurden diese Forschungsergebnisse dann auf Menschen mit neurologischen Defekten übertragen – wie beispielsweise bei Querschnittsgelähmten. Sie könnte auch Menschen helfen, welche an MS erkrankt sind oder einen Schlaganfall erlitten haben, meint Morgan. Doch die Entwicklung geht noch viel weiter.

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Es ist gelungen durch Auslesen von Gehirnmustern motorische Reize von einem Menschen zu einem anderen zu übertragen und so dessen Arm zu bewegen. Ob die Computer über die das Signal weitergeleitet wird im selben Raum stehen oder über Internet verbunden sind spielt dabei keine Rolle. Der Empfänger benötigt dazu lediglich eine spezielle Kappe und eine Stimulationsspule, die nach etwas Übung seine Motorik via elektromagnetischer Impulse steuern kann.

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Man kann also ein menschliches Gehirn mit einem Gerät oder mit einem anderen menschlichen Gehirn verbinden und man kann motorische Tätigkeiten steuern sowie Kommunikation und Information senden. Morgan sagt aber auch, dass die Feinmotorik erst auf dem Weg zu ihrer Optimierung sei.

Zur Manipulation eines Körpers waren mit den beschriebenen Methoden immer noch die Vehikel "Chipschnittstelle" oder "elektromagnetische Impulse" nötig, was die bewusste Mitarbeit der Probanden voraussetzt. Mittlerweile allerdings gibt es Techniken der Manipulation (Chemogenetik), bei denen dies nicht mehr notwendig ist.

Gentechnik-Pionier Craig Venter erschuf 2016 ein lebensfähiges Bakterium, in dessen Zellen er eine komplett nachgebaute DNA einsetzte. Morgen berichtet, dass Venter mit sogenanntem „Gen-Splicing“ Hefezellen beliebig konfigurieren kann, sie können dadurch z.B. Parfum, Benzin oder jedes beliebige Peptid herstellen. In diesem Zusammenhang sagte Morgen, man könne so etwas Einzigartiges – wie er es ausdrückte – konstruieren, etwas das in der Lage sei spezifisch nur einen einzigen Menschen zu töten. (sic! Anm. Red.) – Unsere DNA sei gewöhnlich in feste kleine Spiralen aufgewickelt. Stelle man Plasma her, um es in die Zellen einzubringen, dann sende dieses Plasma ein Signal und sage der Zelle, welcher Abschnitt der DNA sich auswickeln, öffnen und das vorgesehene Produkt herstellen soll. Das sei jetzt die Zukunft für die Medizin.

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Einen weiteren Aspekt dieser Methode beschreibt Morgen wie folgt: „DREADDs (Designer Receptors Exclusively Activated by Designer Drugs/Designer-Rezeptoren, die ausschließlich durch Designer-Drogen aktiviert werden) sind Design-Rezeptoren, die ferngesteuert werden können. Sie haben also die Möglichkeit, jedes Produkt herzustellen, so lange Sie die DNA-Sequenz kennen und können sie in ein lebendes System einsetzen und steuern.

Dies sind nur einige Aspekte dessen, was in dem Vortrag von Dr. Morgan dargestellt wurde. Bei aller interessanten Information über moderne Forschung fällt dabei jedoch eine gewisse begriffliche Unschärfe in Bezug auf das Forschungsgebiet auf, das man hier beackert. Obwohl es am Anfang heißt, dass die meisten Menschen nicht in der Lage seien, zu unterscheiden, was „Mind“ und was „Body“ sei, hat man den Eindruck, dem Redner selbst fällt diese Unterscheidung schwer. So behauptet er z.B., es würden „Gedanken“ übertragen, wenn man motorische Reize von einem Menschen auf den anderen übermittelt. Der Vorgang hat aber mit Gedankenübertragung nicht zu tun. Solche wissenschaftstheoretischen Schwächen sollen in Teil 2 aufgearbeitet werden.

Da hier die aktuellen wissenschaftlichen Forschungsergebnisse nicht vollständig beschrieben werden konnten, sei Ihnen der 55-minütige Vortrag von Dr. Charles Morgan empfohlen.

Quellen: