Vladimir Solovyov
Bild: Alex Gakos / shutterstock

Die kurze Geschichte vom Antichristen

Wladimir Solowjoff

„Leben und Wissen sind wesenseins und untrennbar in ihren höchsten Normen“ – Vertieft man diesen Gedanken Wladimir Solowjoffs (Solowjew), so wird man früher oder später zu der Überzeugung gelangen, dass dieser Gedanke des Philosophen nicht etwa nur aus einer Seelenstimmung heraus geäußert wurde, sondern aus der Gewissheit des Geistes. Die Gedanken Solowjoffs sind in der Tat “unfassbar“ lebendig…

…In Sprache und Gedankenleben Solowjoffs vereinigen sich feinsinnige Empfindsamkeit und elementare Denkkraft, kritische Verstandesschärfe und universale Zusammenschau. Wer sich daran gewöhnt hat, in der abstrakt-analytischen, toten Begrifflichkeit der lateinischen Sprache ein Kriterium wahrer Wissenschaftlichkeit zu sehen, wird mit der Philosophie dieses russischen Denkers wenig anfangen können. Die überkommene philosophische Terminologie spielt hier (bei Solowjoff, Anm.Red) nur eine Nebenrolle. Solowjoff selbst hat sich um die wirklichkeitsfremde Vergangenheitssprache der Philosophie belustigt, die jedes lebendige Denken blockiert. und häufig nur dazu dient, eine Welt gedanklicher Scheingebilde vor dem gefürchteten “gesunden Menschenverstand“ zu verbergen.

„Was `von drüben´ herübergreift, kann mit einem feinen Faden verglichen werden, der in das gesamte Gewebe des Lebens kaum merklich eingeflochten is und vor dem aufmerksamen Blick überall aufleuchtet, vor jedem Blick, der fähig ist, diesen Faden in den groben Mustern der äußeren Kausalität zu unterscheiden, mit der dieser Faden stets oder beinahe stets für einen unaufmerksamen oder voreingenommenen Blick zusammenfließt.“ Wladimir Solowjoff

Heinz Mosmann hat in seinem 1984 erschienenen Werk, „Wladimir Solowjoff und die werdende Vernunft der Wahrheit“ die Keime zu einer Philosophie des Geistselbst anschaulich dargelegt. Viele, die sich an Solowjoff versucht haben bleiben bei der Religionsphilosophie stecken. Sie schauen nicht die Tiefe der lebendigen Darstellung von Bildern und Gedanken. Begeistert Solowjoff aber, so scheint es einem, dass man mit den Protagonisten der Geschichte mit am Tisch säße.

Das zumindest vom Titel her in deutscher Sprache bekannte Werk Solowjoffs, „Die kurze Geschichte vom Antichrist“, soll Ihnen einen kleinen Einblick in Soloffjows Schaffenskraft gewähren.

Quellen: