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Bild: Die gute Regierung, Foto Marion Koffend

Der kategorische Intuitiv - Vom wirklichkeitsgemäßen Denken

Marion Koffend

5.12.2020

Es reicht nicht aus, nur mit dem Gehirn zu denken. Man könnte annehmen, diese Aussage sei unsinnig, denn mit was soll man sonst denken? Sie ist es aber durchaus nicht! Heute wissen wir beispielsweise durch die medizinische Forschung, dass auch das Herz, wie das Gehirn, Zellen enthält, die ihm ein Denken ermöglichen. Diese Tatsache hat sich nach Einführung der Herztransplantation eindeutig herauskristallisiert und gilt als wissenschaftlich bewiesen. (1) So kann weiter gesagt werden, dass das reine materialistische Gehirndenken, als ultima ratio, wie es von Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Medien praktiziert wird, sich heute als unzureichend erweist. Geisteswissenschaftler, wie Christoph Hueck, zweifeln die Ausschließlichkeit eines reinabstrakt logischen Gehirndenkens schon länger an, – und stellen ihm ein wirklichkeitsgemäßes, lebendiges Denken an die Seite. (2)

Video: Corona-Kolloquium, 27. Juni 2020, Teil 3: Christoph Hueck

Christoph Hueck ist Waldorfpädagoge, kommt aber ursprünglich aus der Gentechnik, Mikrobiologie und Impfstoffentwicklung. Zur Waldorfpädagogik fand er, wie er sagte, weil er die Welt verändern wollte. Ihm sei klargeworden, dass es ausschlaggebend sei, wie die Menschen denken. Es liege nicht allein an den Informationen, die man bekomme, sondern eben daran, wie wir uns innerlich zur Wirklichkeit stellen. In der Waldorfpädagogik habe er etwas gefunden, das dem reinen Gehirndenken entgegentrete, und damit dem Menschen die Möglichkeit biete, in seiner Entwicklung zu einer reicheren und innerlicheren Ansicht von Wirklichkeit zu gelangen. Rudolf Steiner nannte die Quelle des wirklichkeitsgemäßen Denkens „Intuition“. Im Erleben des intuitiven Denkens könne die ganze Seele eine geistige Wirklichkeit erfahren. Seit dem Kriegsjahr 1917 sprach er öfter in seinen Vorträgen über die Problematik des abstrakten und wirklichkeitsfremden Gehirndenkens.

»Der Mensch stößt sehr leicht auf merkwürdige Widersprüche (...), wenn er sich bemüht, die Wirklichkeit zu verstehen. Und wenn der Mensch auf Widersprüche stößt, so sucht er über diese Widersprüche so hinwegzukommen, dass er von zwei einander widersprechenden Dingen das eine annimmt und das andere zurückstößt. Das aber heißt sehr häufig, überhaupt die Wirklichkeit nicht verstehen zu wollen.« (3)

Im intuitiven Denken nimmt man nicht nur Abstrakt-Rationales wahr, sondern man kommt dahin, dass man Gedanken als wahr und gut erkennt. An sich selbst kann man das auch wahrnehmen, denn solche Gedanken ergreifen einen – sie stellen eine innerliche Kraft in einem dar.

Ein Gedanke, der in mir ein „es ist richtig“ hervorruft, ist nicht dasselbe wie einer, der mich ein „es ist richtig und wahr“ erkennen lässt. Es besteht eben ein Unterschied zwischen dem bloßen Kopfdenken und dem Denken mit dem ganzen Menschen, mit Denken, Fühlen und Wollen, also mit allen unseren Seelenkräften. Diese Kräfte sind es auch, welche uns mit der Wirklichkeit verbinden, während wir durch das bloße Kopfdenken von ihr „abstrahieren“, das heißt uns von ihr entfernen. So leben wir in der Illusion, dass wir etwas von der Welt ergreifen, aber in Wirklichkeit erfahren wir nur ein Abziehbild von der Welt, das weitgehend unsere eigenen Begriffe und Vorstellungen widerspiegelt. Während das intuitive Denken wirklichkeitsgesättigt ist und einen von sich aus tätig werden lässt – indem man sich willentlich innerlich damit verbindet – was dann wiederum zurückschwingt und einen erkennen lässt, was wirklich ist.

An der Corona-Krise ist deutlich zu sehen, wie gewisse Denkarten die öffentliche Meinung beherrschen, wie die, das Virus als Feind zu betrachten, als Agens und als etwas zwar Unsichtbares, aber dennoch Materielles, das man rein äußerlich kausal-gedanklich be- und ergreifen könne und technokratisch, wie viele Immunologen denken, auch berechnen könne. Sie haben Computermodelle mit ihren Annahmen gefüttert und diese dann hochrechnen lassen, vor allem mit der Grundannahme, die Bevölkerung sei vollständig empfänglich für dieses Virus und es bestehe in ihr keinerlei Art von Immunität. Am Ende dieser Berechnung stand dann, wieviel Krankheits- bzw. Todesfälle auf die Menschheit zukommen würden. Dass diese Berechnungen horrende Zahlen lieferten, ist den meisten, die sich für diese Sachverhalte interessieren, auch bald aufgefallen. Und das nicht zum ersten Mal. Auch schon in früheren Epidemien wurden solch horrende Hochrechnungen gemacht. Die sich aber in der Folge als nicht wirklichkeitstauglich erwiesen.

Ganz deutlich sieht man hier das abstrakt-verkopfte Denken in Aktion, ein totes Gehirndenken, das seine Erkenntnistätigkeit Algorithmen und Maschinen überlässt. Und dieses errechnet dann Modelle ohne Bezug zur Wirklichkeit. Wurde doch prognostiziert, es würden in den USA 2,5 Millionen und in GB 0,5 Millionen Menschen von Corona getötet werden.

Dieselben Persönlichkeiten, die sich schon in den vorherigen Zeiten verrechnet haben, haben sich nun abermals verrechnet! Das lässt die Frage aufkommen, wieso haben sich die Politiker wieder auf dieselben Leute verlassen? Man gelangt unweigerlich zu der Annahme, dass die Art des Denkens hiermit etwas zu tun haben muss. Denn setzt dieses voraus, das Virus sei ein tödlicher Feind, so führt das, wenn die Prognosen nicht eintreten, zu dem logischen Schluss: weil wir einen so konsequenten Lockdown gemacht haben. Also, nur weil alles so gewissenhaft kontrolliert wurde – und es kann durch die kommende Impfung noch perfekter kontrolliert werden.

Kontrolle und Zwang

Es gebe keine Impfpflicht, wird behauptet. Aber wenn man nur mit Vorlage eines Impfausweises reisen darf oder bestimmte Veranstaltungen besuchen darf, dann ist das sehr wohl Kontrolle und Zwang. Den überlässt man allerdings den Veranstaltern, die sich wiederum auf die in der Bevölkerung geschürte Angst stützen. Wie ja auch Eltern, die ihre Kinder nicht gegen Masern impfen lassen wollen, sie nicht mehr in den Kindergarten schicken können. Das sei kein Impfzwang, heißt es aller Orten! So kann einem an diesem Denken deutlich werden, wie es die Wirklichkeit völlig ignoriert oder bewusst verdreht.

Verantwortung und Freiheit

Das im ganzheitlichen Denken anwesende Gefühl der Verbundenheit mit der Welt führt zu der Erkenntnis, das Leben ist mein Freund, ja selbst das Leiden ist mein Freund. Wie man leicht feststellen kann, wenn man auf eigene schwere Lebenskrisen zurückschaut. Man weiß: wenn man das „damals“ nicht so erlebt hätte, wäre die eigene Entwicklung ganz anders verlaufen und man hätte wichtige Erfahrungen nicht gemacht. Rudolf Steiner sagte dazu: „Das Leiden ist ein notwendiger Faktor in der Entwicklung. Es gibt keine Entwicklung ohne Leiden, wie es kein Dreieck ohne Winkel gibt.“ Je mehr man zurückschauend in das eigene Leben eindringt, sieht man, dass dies oder jenes furchtbar schmerzhaft war, und man sieht auch, dass gerade das dazu beigetragen hat, einen weicher, innerlich geklärter, freier und liebevoller zu machen. Und so kommen wir durch das Leiden eigentlich erst den beiden größten Idealen der Menschheit näher, nämlich Freiheit und Liebe.

Leiden ist somit ein notwendiger Faktor in der persönlichen seelisch-geistigen Entwicklung des Menschen und der Menschheit. Leiden und Krankheit können uns lehren, wo Dinge zwischen uns und der Welt ins Ungleichgewicht gekommen sind. Welt, Leben und Krankheit als Freunde anzuschauen, befreit uns von Ängsten. Die daraus folgende innere Gewissheit einer unglaublich starken Freiheit, weil man sich durch das Vertrauen in die Welt frei von Angst bewegen kann, stärkt den ganzen Menschen. Diese Freiheit führt uns dann zu einer echten Verantwortlichkeit. Das wächst auseinander hervor. Aus dem Vertrauen wächst die Freiheit hervor, und das Bedürfnis, verantwortlich zu leben, wächst wiederum aus der Freiheit hervor.

Alles dies folgt konsequent aus der Art und Weise, wie wir unser Denken handhaben. Die Bereitschaft, alles widerspruchslos anzuerkennen, was ein totes, abstraktes Gehirndenken zur Welt bringt, wird zur Entmenschlichung der Welt beitragen. Dem sollten wir uns entgegenstellen.

Weiterführende Literatur

Buchcover
Bild: Screenshot https://www.akanthos-akademie.de

Aus dem Inhalt

In der Auffassung Rudolf Steiners bedeutet Intuition nicht einen spontanen Einfall mit unklarem Ursprung, sondern eine Einsicht von höchster Klarheit und Sicherheit. Im intuitiven Erkennen wird die Kluft zwischen dem Erkennenden und dem Erkannten überwunden. Durch ihre Tiefe ist die Intuition der mittelalterlichen unio mystica vergleichbar, der mystischen Vereinigung mit dem geistigen Weltgrund, durch ihre vollkommene Transparenz aber auch der exakten mathematischen Erkenntnis.

Rudolf Steiner entwickelte sein Verständnis der Intuition zunächst in Bezug auf Goethes ‚anschauende Urteilskraft‘ und die ‚intellektuelle Anschauung‘ des deutschen Idealismus, vertiefte es aber zur unmittelbaren Anschauung ‚geistiger Wesen‘. Intuition macht deutlich, was Steiner unter Geist und Geisteswissenschaft verstand.

Hier wurden alle Darstellungen zur Intuition aus neunzehn Schriften und etlichen Aufsätzen Rudolf Steiners zusammengestellt und erläuternd kommentiert. Von den Einleitungen zu Goethes naturwissenschaftlichen Schriften über Die Philosophie der Freiheit und Die Geheimwissenschaft im Umriss bis zu Steiners letzten Schriften wird ein umfassender Überblick über dieses zentrale anthroposophische Thema gegeben, der einen Einblick in die Grundlage der Anthroposophie vermittelt. Die Zusammenstellung zeigt, wie Rudolf Steiner seine frühen philosophischen zu den späteren anthroposophischen Anschauungen weiterentwickelte.

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Quellen

(1) https://www.zivilimpuls.de/artikel/5-2020/angst-vs-bewusstsein.html)

(2) https://youtu.be/lpJO5Yje-9o)

(3) Vortrag 10.Dez. 1916 Dornach - Teil 1 - GA 173

Zum Autor:

Marion Koffend

Marion Koffend Jahrgang 63, ist Chefredakteur der 2017 gegründeten Zeitung Zivilimpuls. Sie ist weder Journalistin noch ist sie Medienschaffende gewesen. Die Not der Informationslücken nötigte sie zu dem Schritt eine eigene Zeitung zu gründen, um der Gegenseite eine Stimme zu verleihen